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Sechs Autoren präsentieren das Ergebnis einer seit langen untereinander geführten Qualitätsdiskussion in der Literatur. Wie kann, wie soll man zum Anbruch eines neuen Jahrtausends schreiben? Das Hamburger Dogma ist entstanden. Dieses Dogma für die Literatur unterzeichnen die Autoren: Gunter Gerlach, Michael Weins, Lou A. Probsthayn, Gordon Roesnik, Rainer Jogschies und Alexander Posch. Weitere Unterzeichnende: Susanne Bartsch, Thortsen Passfeld, Helga Frien.

Alle deutschsprachigen Autoren werden dazu aufgerufen, sich anzuschließen - sei es für eine bestimmte Zeit oder nur für einen Text. Ziel ist es, die Erzählstruktur der Literatur zu erneuern. Der Leser erhält einen Maßstab, mit dem er die Arbeit der Autoren überprüfen kann


Die Diskussion um den Zustand der Literatur führte zur Entstehung des Hamburger Dogmas. Seine achte Punkte sollen Anlaß für ein Experiment sein, die Sprache der Literatur zu verändern. Wir laden alle deutschsprachigen Autoren ein, sich dem Hamburger Dogma anzuschließen.

1. Adjektive sollen vermieden werden.

2. Gefühle sollen nicht benannt werden, sonder dargestellt werden.

3. Gebrauchte Metaphern sind verboten.

4. Es muß im Präsens geschrieben werden.

5. Ein Satz hat nicht mehr als fünfzehn Worte.

6. Die Perspektive darf nicht gewechselt werden.

7. Der allwissende Erzähler ist tot.

8. Jeder Text, der das Hamburger Dogma erfüllt, soll vom Autor als solcher gekennzeichnet werden.


Jeder Autor der sich dem Hamburger Dogma anschließt, kann seine Adresse unter meiner Email hinterlegen: lou@probsthayn.de


Ziel des Hamburger Dogmas ist die Entwicklung der Sprache der Literatur. Es ist ein begrenztes Experiment, das nicht für alle Formen der Literatur durchführbar ist.

Zu Punkt 1. Wir unterscheiden zwischen wertenden und definierenden Adjektiven. Die wertenden Adjektive müssen vermieden werden. Ihre Bedeutung soll sich im Text durch andere Formulierungen erschließen.

Zu Punkt 2. Wir wollen Gefühle nicht benennen, sondern beobachten, wie sie sich manifestieren.

Zu Punkt 3. Metaphern sind nur dann erlaubt, wenn sie eine neue Verbindung herstellen. Außerdem sind alle Redewendungen verboten.

Zu Punkt 4. Das Präsens ist näher am Gegenstand.

Zu Punkt 5. Die Begrenzung der Satzlänge dient der Verständlichkeit.

Zu Punkt 6. Perspektivwechsel sorgen für Distanz.

Zu Punkt 7. Der Autor soll sich nicht über seinen Text erheben.

Zu Punkt 8. Die Kennzeichnung der Texte soll lauten: Dieser Text erfüllt die Regeln des Hamburger Dogmas.

Die wörtliche Rede muß nicht den Punkten des Dogmas entsprechen.

Das Hamburger Dogma ist in der zweiten Hälfte des Jahres 1999 entstanden. Die bisherigen Texte der Unterzeichner entsprechen nicht den Kriterien des Dogmas.


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